Ka-News.de Artikel
Leute, Läden, Lebenslust IV
Kreative Avantgarde und Kostüme
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Im Avantgarde kommen auch Bonapartisten auf ihre Kosten
(Foto: ka-news)
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Karlsruhe - Da soll noch einmal einer behaupten, das Spielen mit Barbie-Puppen fördere nicht die kindliche Entwicklung. Bei Bettina del Valle war das Gegenteil der Fall. Weil ihre Mutter Barbies hasste und ihr deswegen auch keine kaufen wollte, sparte Klein-Bettina fleißig das Taschengeld. Als sie die blonde Beauty-Queen mit den Wundermaßen endlich ihr eigen nennen konnte, bewies sie Kreativität und handwerkliches Geschick, denn sie nähte Barbies Garderobe kurzerhand selbst.
"So fing wohl der Verkleidungs- und Kleiderwahn bei mir an" meint die heute 40-Jährige und schwelgt in Erinnerungen von Mutters Geschmeide und Abendkleidern, mit denen sie damals ihre kindliche Fantasie ausschmückte. Daran ist an sich nichts ungewöhnlich, das machen viele kleine Mädchen. Die meisten kommen aber irgendwann wieder davon ab. Nicht so Bettina del Valle. Bis heute hat sie Spaß am Nähen und Handarbeiten, an Kleidern und natürlich am Verkleiden. Vermutlich ist sie in dieser Beziehung erblich vorbelastet, denn in der Familie achtete man stets auf das Äußere. Schon als Kind wurde sie mit selbstgenähten Sachen eingekleidet und vermutet daher den Ursprung für ihre Eitelkeit in modischen Dingen in frühester Kindheit. "Wenn die Strumpfhose farblich nicht zum Kleid passte, habe ich mich geweigert, in den Kindergarten zu gehen", amüsiert sie sich und findet es erstaunlich, dass sie damals mit diesen Extravaganzen durchgekommen ist. In Korntal/Münchingen, wo sie aufgewachsen ist, stellte ein derartiges Verhalten sicher eine Ausnahme dar. Ihr Berufswunsch nach der Schule war - wie konnte es anders sein - Schneiderin. Dieses Vorhaben scheiterte aber daran, dass die bekannte Stuttgarter Modefirma Bleyle kurioserweise damals nur Hauptschüler für eine Schneiderlehre einstellte, keine Realschülerinnen. Daraufhin begann eine berufliche Odyssee, die im Nachhinein betrachtet, wohl auch eine Reise zu sich selbst war.
Von der Zahntechnik zum Kostümverleih
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Ob als Huhn oder als Ei des Kolumbus - hier gibt's für jeden Geschmack das passende Outift (Foto: ka-news)
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Mit dem entsprechenden Schulabschluss in der Tasche begleitete sie Anfang der 1980er Jahre ihren damaligen Freund nach Karlsruhe, um sich für ein Lehramtsstudium einzuschreiben. Doch es kam alles ganz anders: Sie wurde stattdessen Zahntechnikerin, Bürokauffrau und zuletzt Bürowirtschaftslehrerin. Tatsächlich unterrichtete sie auch, brach aber nach dem ersten Staatsexamen ab. "Was die Pisa-Studie herausgefunden hat, wusste ich damals schon", kommentiert sie ihre Erfahrungen mit dem Lehrbetrieb. An Selbstbewusstsein hat es ihr offensichtlich nie gemangelt. Deshalb hielt sie sich auch nicht lange mit Ursachenforschung auf, sondern eröffnete vor elf Jahren ihren ersten Second Hand Laden in der Markgrafenstrasse. "Second Hand habe ich schon immer geliebt, war aber der Meinung, dass man das im Hinblick auf Präsentation und Ladenausstattung besser machen kann" erinnert sie sich an die Anfänge. Das ist ihr offenbar gelungen, denn schon ein Jahr später war aus Platzgründen der erste Umzug notwendig und seitdem residiert "Avantgarde plus" in der Oststadt.
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Der Kostümverleih platzt mittlerweile aus allen Nähten (Foto: ka-news)
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Die Idee des Kostümverleihs, den del Valle zusammen mit dem Second Hand Laden betreibt, ist nicht zuletzt der studentischen Nachfrage nach geeigneten Party-Outfits zu verdanken. Als leidenschaftliche Sammlerin von ungewöhnlichen Dingen aller Art hatte sie im Laufe der Jahre einen stattlichen Fundus zusammengetragen, aus dem sie so genannte Motto-Partys ausstattete. "Die vielen Sachen nur zu besitzen und nichts damit anzufangen, das machte ja auch keinen Sinn" begründet sie den Entschluss, ihre Schätze der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Kostümideen findet sie überall. Zum einen natürlich durch die Nachfrage ihrer Kunden, die für ein Ritterfest oder eine 50er-Jahre-Party eine passende Tracht brauchen. Darüber hinaus bekommt sie neue Einfälle beim Durchblättern von Magazinen, durch Film und Fernsehen oder manchmal auch auf dem Sperrmüll. Den Wiederverwertungsgedanken über die Kreativität anzuregen ist eine Sache, die ihr sehr am Herzen liegt. "Da kommt vielleicht auch meine schwäbische Natur durch" erklärt sie ihre ungewöhnliche Sammelleidenschaft und lacht.
Powerfrau aus Überzeugung
Besonderen Wert legt del Valle darauf, dass das Outfit zum Träger passt und die Sachen einigermaßen bequem und tragbar sind. Da kann es schon mal zu hitzigen Debatten kommen, ob das Kostüm nun geeignet ist, oder nicht. Sie ist nicht für jeden Geschmack da und sie weiß es. "Ich bin sicher auch zickig. Wenn es nicht passt - auch menschlich - dann nicht" vertritt sie eisern ihre Überzeugung. Dafür kann der belehrbare Kunde aber eine umfassende und fachkundige Beratung erwarten. Die Accessoires sind dabei oft das Tüpfelchen auf dem "i". So etwas braucht natürlich Zeit und deshalb veranschlagt sie von vorne herein etwa eine Stunde für die Prozedur und arbeitet nur nach Terminvereinbarung. Sie hat auch schon Filme mit ausgestattet, aber es reizt sie mehr, Kostüme für Privatleute zu entwerfen. "Die wollen mal in eine andere Rolle schlüpfen, das finde ich spannend".